Unvergleichlich nah am natürlichen Vorbild.

Mit der Markteinführung des Genium – Bionic Prosthetic System im Jahr 2011 gelang ein Durchbruch im Bereich der Knieprothetik. Unerreicht natürliches Gehen, Treppensteigen im Wechselschritt, Hindernisse überwinden, Rückwärtsgehen, Stehen auch auf Schrägen und vieles mehr: Menschen mit einer Beinprothese profitierten erstmals von völlig neuen Funktionen, sowohl in der Freizeit als auch beim Arbeiten.

Das Genium Kniegelenk gibt es auch als wasserfeste Ausführung: Das GENIUM X3

Der technische Fortschritt in der Prothesenversorgung ist für den Anwender erheblich! Hier geben wir für Verordner und Anwender eine praxisnahe verständliche Beschreibung der wichtigsten Funktionen dieses Kniegelengsystems.

OPG + DSC
OPG bedeutet "Optimiertes Physiologisches Gehen".
DSC bedeutet "Dynamische Stabilitätskontrolle".

OPG aktiviert

Das Genium Kniegelenk besitzt ein autoadaptives System. Es nähert sich durch seine verschieden Funktionen dem normalen Gehverhalten deutlicher an als alle bisher bekannten Kniegelenksysteme.

PreFlex
Jeder Fersenauftritt beginnt mit einem 4° vorgebeugten Kniegelenk. Der Vorteil ist ein sehr weicher Fersenauftritt bei voller Sicherheit. Das Knie sackt dabei nicht ein und der Fuß hat schnell den vollen Bodenkontakt. Beim Gehen auf unebenem Boden hat das Genium im Gegensatz zu anderen Gelenken einen kürzeren Weg bis zum Fersenauftritt weil die Prothese nicht erst in die Streckung muss. Der Anwender bemerkt, dass die Prothese nach jedem Schritt sehr schnell in Bereitschaft für den nächsten Schritt steht, auch auf Steigungen und im Gefälle.

Adaptive Yielding Kontrolle
Yielding bedeutet bei Fersenauftritt im Kniegelenk gesichert einsinken zu können. Auf ebenem Boden beugt das Kniegelenk bei Fersenauftritt ein. Dabei erhöht sich der Beugewiderstand stetig, bei Bedarf bis zur Blockierung bei 17° Beugewinkel. Das Genium erkennt außerdem, ob es sich auf ebenen Boden oder auf einer abschüssigen Schräge befindet. Beim Abwärtsgehen auf einer Schräge blockiert das Gelenk nicht bei 17°, da je nach Gefälle evtl. ein höherer Beugewinkel benötigt wird. Bei wenig Gefälle erzeugt das Gelenk wenig Beugewiderstand, bei größerem Gefälle wird er stufenlos erhöht. Das Genium bietet also für den Anwender auf allen vorkommenden Schrägen (Gehweg / Tiefgarage / Rollstuhlrampe etc.) das gleiche Gangverhalten und die erforderliche Sicherheit. 

Dynamische Stabilitätskontrolle
Die DSC überwacht den kompletten Gangzyklus in Echtzeit. Das Freischalten des Kniegelenks von der Stand- in die Schwungphase ist unabhängig von Gewichtsverlagerungen (keine Vorfußlast zum Freischalten). Dieses Komfort- und sicherheitsrelevante Moment wird durch die Informationen der Knie- und Knöchelwinkelsensoren vom Mikroprozessor in einer hundertstel Sekunde errechnet. Das bedeutet für den Anwender, dass das Gelenk auf jedem Untergrund zum durch schwingen nach vorn im richtigen Moment freigeschaltet wird. Sollte der Prothesenfuß z.B. an einer Teppichkannte oder auf einer Wiese im hohen Gras hängen bleiben, erkennt die dynamische Stabilitätskontrolle:
"Achtung, Sturzgefahr! Das war kein richtiger Schritt. Das Gelenk darf jetzt nicht freigeschaltet werden!"
Da das Genium auch erkennt, ob der Anwender z.B. eine Schräge hinunter oder hinauf geht, wird auch hier im richtigen Moment freigeschaltet. So wird nicht nur ein sehr natürliches Gangbild erreicht, sondern auch maximale Sicherheit gewährleistet.

34059 4c copieAdaptive Schwungphasenkontrolle
Nachdem das Knie zum Durchschwingen nach vorn freigeschaltet ist, schlägt es nicht hart in den Streckanschlag, sondern passt sich der Gehgeschwindigkeit, dem Weggefälle usw. an. Der Widerstand während der Schwungphase ist fast auf null heruntergefahren. Dadurch läuft das Gelenk unglaublich leicht. Erst im letzten Moment vor dem Streckanschlag wird der Unterschenkel geschwindigkeitsabhängig abgepuffert. Deshalb ist der Fuß für den nächsten Schritt sehr schnell wieder vorne, und der Anwender benötigt zum Gehen deutlich weniger Energie!

Etwas Besonderes ist auch die Steuerung des Kniewinkels oder des Knieausschlags nach hinten. Der Kniewinkel beträgt beim Gehen, egal mit welcher Geschwindigkeit, immer um die 65°. Wie schnell der Winkel erreicht wird, ist je nach Gehgeschwindigkeit verschieden. Auch unterschiedlich schweres Schuhwerk wird automatisch berücksichtigt; dadurch ist ein kontinuierlich gleichmäßiges Schwingverhalten der Beinprothese für den Anwender gegeben! Der Anwender kann den Winkel des Ausschlags übrigens mit einer Fernbedienung oder der Cockpit App auf seinem Smartphone um einige Punkte nach oben oder nach unten verstellen. Für sehr aktives Gehen sollte der Winkel z.B. etwas kleiner gestellt werden.


Stehfunktion
Wenn das Gelenk beim Stehen belastet und 2 sec. nicht bewegt wird, "friert das Gelenk ein". Es kann dann voll belastet werden ohne dass es einsinkt. Dadurch wird eine Überbeanspruchung des erhaltenen Beines reduziert! Sobald der Anwender den Körperschwerpunkt verlagert, schaltet das Knie unmittelbar wieder in den Beugewiderstand. Diese wichtige Funktion wird nicht nur in der Ebene, sondern auch auf Schrägen aktiviert. Wer z.B. aus beruflichen Gründen längere Zeit auf einer schrägen Rampe stehen muss, braucht nicht gegen ein stetig einsinkendes Kniegeleng kämpfen. Es steht fest, und kann in diesem Zustand belastet werden.

Sitzfunktion
Nach dem Hinsetzen durch die Unterstützung der Standphasendämpfung schaltet das Genium nach 2 sec. frei. Es pendelt also ohne Widerstand sowohl in Beuge- als auch in Streckrichtung. Auch das Einsteigen in den PKW wird dadurch erleichtert.

Treppauf gehen / Hindernisfunktion
Diese Funktion wird aktiviert durch ein "nach hinten ziehen" des Prothesenfußes. Das Gelenk ist dann bereit, auf der nächsten Stufe das volle Gewicht des Anwenders im gebeugtem Zustand zu halten! Lassen es die Stumpfverhältnisse zu, kann er sich mit dem Stumpf durch seine Muskelkraft nach oben drücken, bzw. mit der Prothese zuerst über ein Hindernis steigen (z.B. Staubsauger oder Baumstumpf). Sollte der Anwender dabei unterbrochen werden, z.B. wenn er zur Seite gedrückt wird oder einfach abgerutscht ist, wird die Funktion "Treppauf" unmittelbar deaktiviert. Grundsätzlich wird jeder angefangene Schritt oder jede ausgelöste Funktion bei einer Unterbrechung automatisch in Sekundenbruchteilen in die sichere Beugedämpfung zurückgeführt.

Rückwärtsgehen
In der Küche, am Waschbecken, beim Aufziehen von Türen entgegen der Gehrichtung usw., entsteht für Oberschenkelamputierte oft ein Problem, dass sie nur durch umständliche Kompensationsbewegungen ausgleichen können. Das Genium erlaubt ein sicheres normales Rückwärtsgehen. Die Sensorik des Gelenkes erkennt die Rückwärtsbewegung der Prothese und erlaubt ein sicheres Rückwärtsgehen mit beweglichem Knie. Diese Komponente ist ein wesentlicher funktioneller Zugewinn!

Akkukapazität / Funktion bei leerem Akku / Ladevorgang
Die Akkukapazität reicht für ca. 5 Tage. Für den Fall, dass der Akku leer sein sollte, stellt der Techniker die gewünschte Beuge- oder Standphasendämpfung manuel mit der Software ein. Bei leerem Akku ist durch diese Restfunktion also weiterhin ein sicheres Gehen in der Ebene, auf Schrägen und ein alternierendes Teppabgehen möglich.
Das Genium wird über eine Induktionsfläche im hinteren Wadenbereich geladen. Der Ladevorgang dauert bei leerem Akku ca. 6-8 Stunden. Ein KFZ-Adapter ist optional erhältlich. Das Ladegerät wird magnetisch fixiert. Die Induktionsladung funktioniert auch durch eine dünne Stoffhose. Es gibt also keine Ladebuchsen mehr. Das ist der Hauptgrund dafür, dass das Genium Spritzwassergeschützt ist. Die Fernbedienung wird ebenfalls über das Ladegerät geladen.

Signaltöne
Lautstärke und Tonfrequenz können über die Fernbedienung vom Anwender eingestellt werden.

6 Modi
Der Anwender kann auf 6 verschiedene Modi per Fernbedienung zurückgreifen, z.B. Radfahren, Stehmodus etc.. Diese werden vom Techniker über die Software vorgewählt.

Technische Daten
Gewicht: 1320 g (ohne Rohradapter)
Prozessorgeschwindigkeit: 100 Hz
Beugewinkel. 135°
Sensoren: 6

www.gehen-mit-prothese.de
Ihr OTM - Team

(Hinweis: Der vorliegende Text wurde aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen und unserem aktuellen Wissensstand über das Genium Kniegelenk System der Fa. Otto Bock erstellt. Der Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Autoren: Maik Pollmeyer, Alfred Kwahs, Gerd Papen)

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